Tacheles- Die Schülerzeitung der TMS


„G-L-Ü-C-K ?“- die Entlassung der Abiturienten im Kolosseum

Posted in Allgemein von chefre - Juni 30, 2010

Eine Gruppe junger Leute steht aufgeregt vor einer großen Tür. Einige wirken sehr nervös, viele von ihnen sind aber scheinbar erleichtert und froh. Die Jungen sind in Anzüge, die Mädchen in Kostüme gekleidet.  Auf einmal erklingt laut das Stück “Zadok the Priest” von Georg Friedrich Händel, besser bekannt als die Hymne der Champions League. Viele atmen noch einmal tief ein, einigespringen in die Luft, vereinzelt sind Schreie zu hören. Jetzt betreten sie den Saal.

Hiermit begann die Entlassung der diesjährigen Abiturienten. Nachdem die Oberprimaner ihre Plätze eingenommen hatten, eröffnete Herr Flittiger diesen so bedeutenden Abend im Leben der 13-Klässler. Auf seine Rede folgte eine Ansprache der Elternvertreterin Frau Barteck sowie der goldenen Abiturienten. In allen drei Reden spielten Veränderungen im Schulsystem und die durch Globalisierung beeinflusste große Welt „da draußen“ eine Rolle.

Sofort war klar: Das wird kein Zuckerschlecken.

Als danach noch das Lied „Father and Son“ von Cat Stevens von Martin Zaborowski und Paul Ketelsen überauß emotional vorgetragen wurde , schien es auch von Schülerseite bestätigt:

Unser Leben wird nie mehr so sein wie es einmal war und es ist Zeit Abschied zu nehmen: „I know that I have to go away“.

Insofern passte es sehr gut, dass auf diese teils sehr niederschlagenden Kommentare die Rede der Schüler folgte. Es wird den Lehrern, dem Jahrgang und den Hausmeistern gedankt. Und natürlich werden einige lustige Anekdoten aus den vergangenen neun Jahren an der Thomas-Mann-Schule vorgetragen. Alle lachten. Die sentimentale Situation schien entschärft.

Darauf folgte die Rede der Lehrer: Frau Heilmann und Herr Meußler betraten die Bühne und berichteten zunächst ein wenig über den Prozess des Redeschreibens. Doch auch hier wurde schnell wieder von den negativen Seiten des noch folgenden Lebens gesprochen. Unsicherheit, Angst, Alleinsein. Niemand weiß, wie sich das alles entwickeln wird, ob man einen Arbeitsplatz findet, dort zufrieden ist. Was soll ich mit einem sogenannten 2/7tel Leben, weil ich meine Arbeit von Montag bis Freitag hasse? Finde ich den geeigneten Partner und kann ich ihn auch behalten? Die Hauptfrage drängt sich auf: Wofür lebe ich eigentlich?

Hierfür hatten sich die beiden etwas besonderes ausgedacht: Lebensgutscheine. Sechs Schüler wurden auf die Bühne gebeten und erhielten ein Pappschild mit jeweils einem Begriff darauf. Mutter Theresa, Adrenalin, Selbsterholungs-Gebiet, Emotionskäfig und Ego-Shooter.

Hier werden einige Gutscheine kurz vorgestellt:

Mutter Theresa: Es tut dem Einzelnen gut über kleine Fehler der Mitmenschen hinwegzusehen und somit die Krise zu entschärfen. Man sollte viel häufiger gutmütig sein.

Adrenalin: Ein Problem lässt sich effektiver lösen mit einem ordentlichen Schub, um voranzukommen.

Selbsterholungs-Gebiet: Ich darf nicht immer gestresst sein, sondern muss mich ab und an ausruhen, jedoch muss es ausgeglichen sein. Das Erholen soll sich lohnen.

Emotionskäfig: Ich muss mich mit meinen Gefühlen auseinandersetzen und muss versuchen meine Sorgen und Nöte anderen Menschen, wie Freunden und Familie mitzuteilen. Gemeinsam kann man eine Lösung finden.

Ego-Shooter: Verwirkliche DEINEN Traum.

Nach dem Vorstellen der verschiedenen Gutscheine sollten die Schüler die Schilder umdrehen. Auf jedem der sechs Schilder stand ein Buchstabe drauf. CGLKÜ. Nach ein paar Momenten in denen man versuchte sich zu sortieren, stand ein fertiges Wort:

„G-L-Ü-C-K“.

Auf diese emotional angehauchte Rede der Lehrer folgte eine Umdichtung des Liedes „Summer of ’69“ zu „Class of 2010“, sowie die finale Vergabe der Zeugnisse. Währenddessen sah man den Abiturienten an, wie sehr sie sich über das Ende freuten. Zwar war das Lächeln vieler Schüler von der ein oder anderen melancholischen Träne unterbrochen, trotzdem freute man sich sehr über das traditionelle Ende. Die Sextaner betraten die Bühne und sagten diese allzu bekannten Worte auf:

„Irgendwann werden wir hier stehen, grad‘ so wie ihr“.

Und der eine oder andere Abiturient erinnerte sich, wie er vorne gestanden hatte vor so vielen Jahren und genau diese Worte gesprochen hatte mit dem Gedanken daran, einmal mit der Schule fertig zu sein.

Jetzt aber beginnt das Leben für die Schulabsolventen. Aber wenn ich meine Familie hinter mir habe, mich nicht überarbeite und die Dinge tue, die ich wirklich tun möchte, habe ich ein Leben vor mir, das lebenswert ist. Genau dann bin ich glücklich.

Simon Spendler

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